
| Am 04. Dezember diskutierte der NDR im Format "Mitreden - Deutschland diskutiert" über das Thema „Sportunterricht: Das Stiefkind im Lehrplan?. Es ging um die Bedeutung von Bewegung, die Situation an Schulen und die Frage, welche Rolle Sport künftig spielen muss.
Wir vom Sportlehrerverband Sachsen waren eingeladen – und konnten alle zentralen Punkte zur Lage des Schulsports in die Diskussion einbringen. Mit dabei waren der Kultusminister Conrad Clemens sowie die Kinder- und Jugendärztin sowie Vizepräsidentin des DOSB Dr. Kerstin Holze. Moderiert wurde die Sendnung von Susann Böttcher.
Im Mittelpunkt standen die Fragen:
- Hat Schulsport noch den Stellenwert, den wir angesichts von Bewegungsmangel dringend brauchen?
- Was sagen Studien über die körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen?
- Warum werden Sportstunden oft als erstes gekürzt – und welche Folgen hat das?
- Welche politischen Entscheidungen wären notwendig, um Schulsport zukunftsfähig zu machen?
Die Diskussion machte deutlich: Schulsport steht unter Druck – aber er ist unverzichtbar.
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Wir konnten in der Sendung nahezu alle zentralen Argumente des Verbandes platzieren. Hier die wichtigsten Inhalte, die wir deutlich gemacht haben:
Schulsport ist systemrelevant für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Denn die Studienlage zeigt eindeutig, dass sich die Motorik, Ausdauer und Kraft in den letzten 20 Jahren stark verschlechtert haben und dieser Trend anhält.
Die HBSC-Studie, die MoMo-Studie, der Kinder- und Jugendsportbericht und Schuleingangsuntersuchungen belegen deutliche Defizite.
Die Folgen spüren war Institution Schule in besonderer Weise: zunehmende Konzentrationsschwächen, stärkere psychische Belastungen und körperliche auffällige Defizite.
Schulsport ist die einzige bewegungswirksame Maßnahme, die alle Kinder erreicht – unabhängig von Herkunft, sozialem Umfeld oder Affinität zu Bewegung und Sport in der Familie.
Schulsport stärkt nicht nur den Körper – er fördert Lernen, Psyche und Sozialverhalten. Wir konnten betonen, dass Bewegung zur Verbesserung der Konzentration, Lernfähigkeit und emotionale Stabilität beiträgt. Neuronale Verschaltungen entstehen schneller bei regelmäßiger Bewegung.
Schulsport schafft zudem besondere Räume der sozialen und emotionalen Interaktion und bietet Erfahrungsraum für Fairness, Teamfähigkeit, Konfliktlösung und Selbstwirksamkeit.
Bildung ohne Bewegung ist nicht zeitgemäß.
Der Sportunterricht ist strukturell geschwächt – und das ist politisch verursacht. Wir haben daher erneut auf die reduzierte Stundentafeln (z. B. die Kürzungen 2018/19 in Sachsen) hingewiesen. Hinzu kommen teils fehlende Sporthallen, eine marode Infrastruktur und eine geringe Priorität bei notwendigen Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen.
Kürzungen im Schulsport sind klare Einschnitte in Entwicklungschancen und widersprechen allen gesundheitspolitischen Empfehlungen.
Wir konnten unsere Kernforderungen klar benennen:
- Wiedereinführung der dritten Sportstunde – nicht optional, sondern verbindlich und allen Jahrgängen der Grunschule sowie weiterführenden Schulen.
- Überarbeitung der Lehrpläne sowie der Handreichung zur Leistungsbewertung (Sachsen: Stand 2005 – völlig veraltet).
- Schaffung verlässlicher struktureller Bedingungen: Personal, Räume, Material.
- Professionalisierte Lehramtsausbildung mit klarer sportdidaktischer Qualität.
- Verzahnung von Schule, Ganztag und Vereinssport.
„Qualität im Schulsport entsteht nicht durch gute Absichten, sondern durch gute Bedingungen.“
Diese Sendung hat erneut gezeigt: Wir brauchen eine klare bildungspolitische Kurskorrektur – hin zu mehr Bewegung, mehr Qualität und mehr Verlässlichkeit im Schulsport. Als Verband werden wir diesen Kurs weiter einfordern, begleiten und in der politischen Diskussion aktiv bleiben.
Bleibt in Bewegung. Wir bleiben es für euch.
Euer Sportlehrerverband






