
| Stillstand im Schulsport, dass zeigen mittlerweile überdeutlich die Ergebnisse einschlägiger Studien zur motorischen Leistungsfähigkeit unserer Kinder und Jugendlichen, können wir uns sowohl deutschlandweit als auch in Sachsen nicht mehr länger leisten. Daher begrüßen wir die Initiative zum „Aktionsplan Schulsport - Sachsens Schulen in Bewegung“ des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus (SMK), welcher ein erster Schritt hin zu mehr Bewegung und sportmotorischer Bildung an Sachsens Schulen sein kann.
Vorgestellt, diskutiert und von Beiträgen einzelner Verbände wie dem Unseren flankiert, wurde dieser beim heutigen (17.11.2025) „Fachforum Schulsport“ in Anwesenheit von Vertreterinnen und Vertretern der sport- und bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Landtagsfraktionen, des Landessportbundes Sachsen (LSB), des Sportlehrerverbandes Sachsen, TeamSportSachsen, sowie dem Fachreferat für Schulsport und dem Landesamtes für Schule und Bildung in der Ballsportarena Dresden offiziell auf den Weg gebracht, nachdem in den Medien bereits vergangene Woche erste Inhalte (leider zum Teil auch falsch) veröffentlicht worden waren.
Die Eröffnung erfolgte durch unseren neuen Kultusminister Conrad Clemens, welcher gleich zu Beginn betonte, dass man die Notwendigkeit für Veränderungen im Schulsport erkannt habe und bereit sei zu handeln. Mit Blick auf die Inhalte des Aktionsplans führte er unter anderem aus, dass man die Handreichung für Leistungsermittlung und -bewertung aus dem Jahr 2005(!) novellieren wolle. Zudem solle die dritte Sportstunde zunächst an den Grundschulen in der Klassenstufe 4 wieder optional (2+1) möglich gemacht werden, wenn es die personellen Ressourcen vor Ort zulassen. Diese war, neben weiteren Kürzungen an den weiterführenden Schulen, der Stundentafelkürzung im Jahr 2019 zum Opfer gefallen. Des Weiteren führte Clemens zur geplanten Schaffung einer begrenzten Anzahl von Lehrer-Trainer-Stellen, so genannten Coach-Lehrkräften aus, um besonders in sächsischen Regionen mit eklatantem Sportunterrichtsausfall überhaupt wieder Schulsport zu ermöglichen. Außerdem solle im Bereich der Ganztagesangebote die „Sportartenliste“ abgeschafft werden, um zukünftig Missverständnisse zu vermeiden, welche Ganztagesangebote stattfinden dürfen und welche nicht. Talentsichtung, unterrichtsergänzende Angebote in Zusammenarbeit mit Vereinen, die Schülerassistenten-Ausbildung und einige weitere Punkte wurden ebenfalls vorgestellt.
Darauf erhielt Prof. Albrecht Hummel das Wort, um den Anwesenden einen wissenschaftlichen Input zum Schulsport zu geben. Prof. Hummel folgte in seinen Ausführungen einer klaren Argumentationslinie pro Schulsport und betonte, dass vor allem der Sportunterricht der nicht kompensierbare Kern des Schulsports sei und daher besonders gestärkt werden müsse und das weiterhin unter professioneller, fachkundiger Anleitung, nicht durch pseudo-pädagogische Betreuung. Zwar merkte Hummel an, dass er den Schulsport in Anlehnung an die jüngst erschiene PwC-Studie (10/2025) zur Lage der Sportnation Deutschland als nicht unbedingt einzigen Hauptkrisenherd identifiziert, aber seiner Stärkung bedürfe es allemal. In der Studie heißt es: „Unsere eigentliche Sportkrise ist im Schulsport. Das Schulfach Sport ist in der gesellschaftlichen Stellung nachgeordnet. Der Sportunterricht findet nicht einmal drei Stunden pro Woche regelmäßig statt.“ Weiter konstatiert die Studie: „Untersuchungen zeigen aber, dass beispielsweise bei acht der erfolgreichsten Spitzensportnationen der Welt das Schulsystem und die Hochschulen einen wesentlichen konstruktiven Beitrag leisten.“ Hierin könne man einen klaren Auftrag an die politischen Entscheidungsträger herauslesen, wenn man den Schulsport, der als einziger alle Kinder und Jugendlichen erreicht und damit die Basis allen sportlichen Erfolgs sei, wieder verbessern wolle.
Argumentativ pflichtete Gert Küchler von den Dresden Titans, welcher unter anderem ein Projekt seines Vereins in Zusammenarbeit mit Grundschulen vorstellte Prof. Hummel bei, als er seine Ausführungen in seiner Vorstellung aufgriff und bestätigte, dass viele Stars von heute ihren Impuls zuerst im Schulsport erhielten, in der Schule gesichtet wurden, um dann im Verein weiter wachsen konnten.
Küchler folgend konnte im Anschluss Christian Dahms für den LSB seine Positionen vorstellen. Unter dem Leitspruch „Bildung braucht Bewegung“ verwies auch er unter Bezug auf einschlägige Studien, den Ergebnissen von Schuleingangsuntersuchungen sowie der hauseigenen Evaluation zum 10jährigen Bestehen des „Flizzy Sportabzeichens“ auf das signifikante Absinken der motorischen Leistungsfähigkeit, die es aufzufangen gelte. Hier müsste auch dem Schulsport und dem Sport generell wieder mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung zu Teil werden, wenn man diesen Missstand ernsthaft beheben wolle.
Schließlich erhielten wir das Wort und stellten zunächst kurz unseren Verband vor, bevor wir ebenfalls auf bestehende Probleme im Schulsport in Sachsen hinwiesen. Hierbei nutzen wir die Möglichkeit, unsere konkreten Anliegen an die Politik und den organisierten Sport vorzutragen (siehe Präsentation am Ende des Artikels). Den Aktionsplan befürworteten wir einerseits, machten aber auch deutlich, dass jener nur als Auftakt für einen echten Veränderungsprozess angesehen werden könne. Vor allem die Wiedereinführung der dritten Sportstunde von der Option zur Pflicht, und damit in eine Verwaltungsvorschrift zu überführen, betonten wir deutlich. Zudem reicht es aus unserer Sicht nicht aus, die Option zur dritten Sportstunde nur in der Grundschule in der Klassenstufe 4 zu gewähren, sondern generell die Option auch auch für die weiterführenden Schulen zu öffnen, welche die dritte Sportstunde im Rahmen der Stundentafelkürzung im Jahr 2019 in den Klassenstufen 7 und 8 ebenfalls verloren. Über die Kommentierung einzelner weiterer Punkte des Aktionsplans hinaus wagten wir schließlich einen Blick über den Tellerrand und stellten den Anwesenden unsere Ideen für einen „Next Level Schulsport“ vor. Denn viele Länder dieser Welt denken das Fach Sport längst viel weiter und ganzheitlicher, vereint unter dem Ansatz der „Physical Literacy“. Wenn nur ein kleiner Teil dieser Ideen auch in Sachsen zukünftig zum Tragen kommen könnte, würden wir dem Schulsport wieder zu echter Bedeutung verhelfen.
Nach einer weiteren Positionierung von TeamSportSachsen in Vertretung von Dirk Rohrbach und Alexander Stübner endete schließlich die Vorstellungs- und Diskussionsrunde. Die sport- und bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher fanden abschließend anerkennende Worte für die fundierten Beiträge aller Beteiligten. Herr Clemens beendete sodann pünktlich das Fachforum und verwies darauf, dass man im Frühjahr 2026 erneut zusammenkommen wolle, um dann konkret zu schauen, welche Punkte des Aktionsplans bereits umgesetzt werden konnten und wie weitergearbeitet werden sollte.
Wir halten abschließend fest, Qualität im Schulsport entsteht durch gute Bedingungen, nicht durch gute Absichten. Daran werden wir die kommenden Entwicklungen und Entscheidungen messen und uns weiterhin für unsere Ziele einsetzen.
Bleibt in Bewegung. Wir bleiben es für euch.
Euer Sportlehrerverband















